Besuch AKW Lingen

Wir trafen uns am Besucherzentrum des Kernkraftwerkes Lingen. Mit 'wir meine ich drei weitere Freunde und Bekannte, deren Namen jedoch in Anbetracht der jetzigen Lage um die Firma ANF in Lingen und die weiteren lauten Diskussionen um die Kernkraft im allgemeinen zurzeit Namentlich nicht genannt werden möchten.

Um überhaupt in das AKW hinein zu kommen haben wir die erste Schleuse bereits passiert. Anscheinend ist in unseren Akten nichts Kriminelles vermerkt, so dass wir unbedenklich für eine Führung durch das AKW-Lingen zugelassen worden waren. Es ist gut, dass diese Kontrollen gründlich und streng gehandhabt werden. Eine solche Kontrolle bedarf einer vor Laufzeit von mehreren Wochen und beinhaltet unter anderem ein Polizeiliches Führungszeugnis sowie weiterer Überprüfungen. Wir wurden bereits von unserem Führer, einem guten Freund der beiden erwartet.

Zunächst erhielten wir unsere Schutzhelme und unsere Schutzbrillen. Leider ist es nicht erlaubt Fotos zu machen, es sah schon wirklich Professionell aus, wie wir in den orangenen Anzügen aussahen. Im Besucherzentrum bekamen wir zunächst Modelle des Geländes zu sehen. Anschließend noch weitere Modelle der verschiedenen Wasserkreisläufe, Modelle der Brennstäbe in Glas eingegossen und diverse Exponate von Messinstrumenten etc. Nach der Einweisung in die Topologie des Geländes und des Kraftwerkes bewegten wir uns zunächst auf das Gelände. Nach dem Passieren der Schleuse wurden wir von zwei Sicherheitsmitarbeitern auf Waffen und unerlaubte Gegenstände überprüft. Ein Mitarbeiter hatte dabei sogar die Hand am Halfter, für den Fall das einer von uns Waffen dabeihatte. Wir alle haben diesen Posten natürlich ohne weitere Vorkommnisse passieren können. Daraufhin bekamen wir erstmal unsere Besucher Ausweise, die wir die ganze Führung am man tragen mussten.

Daraufhin wurden wir durch eine Geigerzählerschleuse geschickt, in der nachgewiesen wurde, dass wir zum Zeitpunkt des Betretens nicht konterminiert waren. Gott sei Dank war niemand von uns verstrahlt und auch ich konnte mir nun sicher sein, dass ich nach dem damaligen Messen Radioaktiver Strahlung auf dem ABC-Lehrgang der Bundeswehr nicht noch nachhaltig konterminiert war. Nun wurden wir aufgefordert unsere Zivilbekleidung komplett abzulegen, in Spinten zu verstauen und gegen AKW-Unterwäsche (in dunkelblau) und einen Orangenfarbenen Overall inkl. Grüner Badelatschen einzutauschen. Persönliche Gegenstände wie z.B. Schmuck wurden auch abgelegt und in dem Spint verstaut. Nach einer weiteren Schleuse wurden die Badelatschen gegen orangen farbene Socken eingetauscht. Vielleicht dieses Orange um im Falle eines Unfalles leichter gefunden zu werden. In der nun zu passierenden Schleuse mussten wir unsere Besucherausweise gegen Dosimeter tauschen. Diese Dosimeter haben die Aufgabe, innerhalb der Reaktorkuppel die laufende Kontamination Radioaktiver Strahlung mitzuschreiben. Der gemessene Wert wird in einer Weltweit gültigen Datenbank eingetragen und Personenbezogen immer weiter fortgeschrieben und dann über das gesamte Leben überprüft. Zum Vergleich, Lufthansapiloten haben auch ein solches Dosimeter, da sie auf Langstreckenflügen in höheren Luftschichten erhöhter Radioaktiver Strahlung ausgesetzt sind. Diese ist im Normalfall jedoch ein Berufsleben lang nicht gesundheitsschädlich. Jedoch wird sie gemessen und Dokumentiert. Unsere Besucherausweise hingen nun also an einem Statusbord um im Falle eines Unfalles schnell zu sehen welche und vor allem wie viele Personen sich gerade in der Reaktorkuppel befinden.

Nun gelangten wir durch zwei gigantische Unterdruckschleusen in die Reaktor Kuppel. Die Kuppel ist von einer zwei Meter dicken Betonwand umhüllt und die Kuppel selbst besteht aus 38 mm dickem Stahl. In der Reaktorkuppel wurden wir dann nochmals von einem Ingenieur des AKWs genauestens über genaue Funktionsweise des AKWs Informiert. Der Mitarbeiter des AKWs ging auf alle unsere Fragen ein und weit darüber hinaus. Detailliert wurden uns alle Bereiche innerhalb des Reaktors gezeigt. Wie schon gesagt herrscht innerhalb des Reaktors Unterdruck und es ist dort ziemlich warm was auch schnell dazu führte das wir Durst bekamen. Die Zeit dort verstrich wie im Fluge und war wirklich unglaublich spannend. Um zu verhindern, dass auch nur kleinste Partikel in den Reaktorraum oder von dort hinausgelangen, passierten wir nochmals die bereits erwähnte Unterdruckschleuse und zudem werden die Schuhe auf am Boden befindliche Klebestreifen abgetreten. Hier wurde nochmals ersichtlich wieviel wert dort auf Sauberkeit gelegt wird. Zu jeder Zeit hatten wir den Eindruck, dass immer jemand wusste wo in diesem unglaublich Großen Komplex wir uns befinden und dadurch auch ein Gefühl von Sicherheit.

Nach dem Besichtigen der Kuppel gelangten wir in den Zwischenraumzwischen Betonmantel und Stahlkuppel. Wurde nochmals ein Puffer für z.B. ein Erdbeben eingebaut. Hier mussten wir noch, um in Richtung Maschinenhalle zu gelangen verschiedene Treppen erklimmen. Wir hatten inzwischen wirklich viele höhen Meter überwunden und kamen nun zu einem Fahrstuhl, welcher zu meinem Erstaunen keine Stockwerke anzeigte, sondern ‚Meter über Null‘. Ich fahre hier also nicht zu einem Stockwerk hinauf oder hinab, sondern auf Höhenmeter 7 oder 11. Mittlerweile hatten wir aber alle wirklichen Durst. Der Unterdruck und die Hitze hatten uns arg zugesetzt. Unsere Führung warnte uns vor, dass es mit dem Betreten der Maschinenhalle noch Heißer werden würde. Nachdem wir einige Schleusen Rückwärts passiert hatten hieß es Waschen. Dazu wurden wir aufgefordert die Deko-Seife zu benutzen. Und Deko Seife bedeutet nicht zur Dekoration, es Bedeutet zur Dekontamination. Was ich beim ersten Versuch die Schleuse zu Passieren feststellen musste, denn ich war kontaminiert. Wahrscheinlich habe ich ein kontaminiertes Treppengeländer angefasst. Nachdem der Geigerzähler in der Schleuse ausgeschlagen hatte wurde ich nochmals in den Dekontaminations Raum geführt um nochmals die DeKo-Seife zu benutzen. Nun, beim zweiten Versuch hat der Geigerzähler in der Schleuse dann doch grünes Licht gegeben und auch ich wurde aus dem Hochsicherheitsbereich entlassen.

Wir gelangten nun zum kontrollierten Ablegen und der Abgabe der AKW Kleidung um diese nicht noch mit der Zivilen Kleidung zu konterminieren. Spätestens jetzt hätten wir uns alle ein Bild gewünscht wie wir aussahen mit Orangenem Anzug, Gummistiefel und Haarnetz. In den drei Stunden, die die Führung dauerte war es uns verboten Nahrung oder Flüssigkeit zu uns zu nehmen. Wahrscheinlich damit auf diesem Wege keine Partikel in den Körper gelangen. Nun hatten wir endlich die Möglichkeit unseren Durst am Wasserspender zu stillen und haben zudem den naheliegenden Süßigkeiten Automaten um all seine Schokolade erleichtert.

Nachdem wir unsere Zivile Kleidung also wieder angezogen hatten, haben wir uns auf den Weg in die Maschinenhalle gemacht. (((Bild aus dem Internet, Maschinenhalle))). Bevor wir dieses Gebäude betreten hatten, wurde unsere Persönliche Schutzbekleidung noch um Ohrstöpsel und Schutzbrille erweitert, denn die rotierende Welle an der Turbine macht einen höllenlärm. Ja Reibung erzeugt nun mal Hitze und unsere Führung sollte nun recht behalten, zu dem vielen Lärm verspürten wir noch eine starke Hitze. Leider ist es dort so laut, dass man sich nicht wirklich unterhalten kann und so mussten die visuellen Eindrücke zunächst genügen. Die Führung war damit mehr oder weniger am Ende. Vielen Dank an alle die das Möglich gemacht haben, nun aber nicht Namentlich erwähnt werden möchten.

Fazit: Nach dem Besuch war ich beruhigter als vorher und hatte das Gefühl, dass es dort sicher ist.